Aikido
35 Jahre Aikido im Budo Club Karlsruhe von 1967 bis 2002
Eine Übersicht, zusammengestellt zum 35jährigen Jubiläum 2002.
Unsere kleine Geschichte beginnt 1967 im Budo Club Karlsruhe und ist damit eine der längsten Aikidogeschichten in Deutschland.
Damals war Aikido hierzulande noch kaum jemandem ein Begriff. Unser heutiger Bundestrainer Meister Asai war erst 1965 im zarten Alter von 23 Jahren nach Deutschland gekommen, um das Aikido zu verbreiten. Er ließ sich zunächst in Münster nieder und war hier im Süden noch so gut wie gar nicht bekannt. Im süddeutschen Raum gab es zu dieser Zeit die ersten Lehrgänge mit Gerd Wischnewski, der in Japan etwa zwei Jahre Aikido gelernt hatte.
Die meisten Leute, die damals mit Aikido anfingen, waren Judoka, die diese relativ junge Budosportart auf einem Lehrgang kennen gelernt hatten. Sie begannen dann einfach, in ihrem Verein das Gesehene umzusetzen. Dies geschah teilweise autodidaktisch mit Hilfe von Büchern - denn fortgeschrittenere Aikidolehrer gab es ja noch kaum.
Heinz Hauf und Horst Friese waren die Karlsruher Aikido-Pioniere. Heinz Hauf war 1953 auch schon Gründungsmitglied des BCK und begann 1967 mit dem Aikidotraining in unserem Verein. Einer der ersten Schüler war Edmund Kern. Bis heute treibt er intensiv Aikido. Er ist recht bekannt geworden, zunächst im Deutschen Aikidobund, später bei Iwama Ryu, dem Verband, der in Deutschland in der Tradition von Saito Sensei Aikido praktiziert.
 1970: Training im Dojo Karlstraße, links Horst Friese |  1968: Heinz Hauf |
 1968 |  1970: Jürgen Hänsler im Dojo Karlstraße |
 1972: Horst Friese |  1972: Heinz Hauf |
Nachdem Heinz Hauf sich etwa 1970 aus gesundheitlichen und beruflichen Gründen vom Training zurückziehen musste, leitete Jürgen Hänsler eine Weile die Abteilung, unterstützt von Eva Zirk. Dem folgte eine weniger aktive Phase im Karlsruher Aikido, die von häufigen Trainerwechseln gekennzeichnet war; es gab keine starke Führung in der Gruppe.
 1971: Jürgen Hänsler & Helmut Queckenstedt |  (Dojo Wißmannstraße) |
 1971: Rüdiger Queckenstedt, der in Japan seinen 1. Dan gemacht hatte |  1971: Hänsler & Queckenstedt
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 1971: Rüdiger Queckenstedt & Hänsler |  1973: Dieter Sellinschegg |
 1973: Hänsler & Dieter Sellinschegg |  |
Etwa 1978 gab es dann eine Art Generationswechsel, der wohl auch nicht ganz ohne Reibereien war. Wolfgang Haller übernahm die Leitung der Abteilung, unterstützt von Bernd Reinhard aus dem Postsportverein, der dort auch heute noch das Aikido-Training leitet.
Damals war unsere Gruppe noch Mitglied im Deutschen Aikido Bund (DAB) unter Rolf Brand und Erhard Altenbrand. Der Aikikai Deutschland, Dachverband von Meister Asai, war in Süddeutschland bis zu dieser Zeit relativ schwach vertreten. Dies änderte sich erst innerhalb der nächsten Jahre.
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 1982: Karlheinz Knott & Bruno Schilling |
1984 wurde Dorothea Adams Abteilungsleiterin. Die Kontakte zu Meister Asai und zum Aikikai Deutschland intensivierten sich. So fand 1985 dann der erste Lehrgang mit Meister Asai in Karlsruhe statt, und zwar noch in der Universitätssporthalle, denn die Reithalle hatte der Verein damals ja noch nicht.
Die endgültige Entscheidung, aus dem DAB in den Aikikai Deutschland zu wechseln, fiel 1989.
 1982: Dorothea Adams & Karlheinz Knott |  1985: Dorothea & Christoph Strunk |
 1985: Dojo Gellertstraße | 
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Im gleichen Jahr übernahm Christoph Strunk die Verantwortung für die Abteilung. In diesem Jahr fanden außerdem die World Games in Karlsruhe statt, unter anderem mit einem großen Lehrgang unter der Leitung von Doshu Kisshomaru Ueshiba (dem Sohn des Aikido-Begründers Morihei Ueshiba) und vielen anderen Shihan, hochrangigen Lehrern aus der ganzen Welt. Das war zweifellos das größte Aikido-Ereignis, das bislang in Karlsruhe stattgefunden hat!
 1989: Worldgames in der Europahalle Karlsruhe, Vorführung des Aikikai Deutschland. Ganz links Doshu Kisshomaru Ueshiba |
 1989: Worldgames |
Im nächsten Jahr gab es ein weiteres wichtiges Ereignis im Budo Club, nämlich die Einweihung der Reithalle 1990. Hier haben viele im Verein großartige Aufbauarbeit geleistet.
 1991: Christoph Strunk bei einer Vorführung |  1991: Dorothea Adams |
 1991: Dorothea, Peter Schmitt, Michael Kleiser, Andreas Mayer, Beate Schade und Christoph |  ...berüchtigte Parties...
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Christoph erhielt in dieser Zeit starke Unterstützung durch Heinz Horak, der als langjähriger Schüler von Meister Asai nach Karlsruhe kam. Die Bekanntschaft mit Heinz Horak hatte weitere Folgen: Andreas Raatschen wechselte aus Bruchsal in den Budo Club und damit in den Aikikai Deutschland.
 1991: Christoph Strunk & Heinz Horak |  1991: Andreas Raatschen, Heinz Horak |
Die Zeit unter Christoph und Heinz war insgesamt eine Zeit starken Aufschwungs für das Aikido in unserem Verein. Dies kann man unter anderem an den Mitgliederzahlen ablesen, die sich von etwa 60 im Jahre 1988 auf fast 140 im Jahre 1992 steigerten.
Eine Tradition, die damals ihren Anfang nahm, sind die jährlich stattfindenden Lehrgänge mit unserem Bundestrainer Meister Asai zu Ostern mit durchschnittlich 180 Teilnehmern aus ganz Deutschland. Sie stellen immer den Höhepunkt des Aikido-Jahres dar.
 2000: Osterlehrgang mit Meister Asai |
 Die Matte ist voll... |  ... |
Weitere Highlights im Ablauf eines jeden Jahres sind Lehrgänge mit Dieter Löpke und mit Werner Wild, beides langjährige Schüler von Meister Asai, die beide schon seit über zehn Jahren regelmäßig bei uns Lehrgänge geben, von denen wir viel profitieren.
 Werner Wild |
Einen ganz erheblichen Einschnitt in der Abteilungsgeschichte gab es 1993, als innerhalb eines halben Jahres die vier maßgeblichen Trainer, nämlich Christoph Strunk, Heinz Horak, Andreas Mayer, Michael Kleiser und Dorothea Adams Karlsruhe oder den Budo Club verließen, größtenteils aus beruflichen Gründen. Zudem beendeten etliche höhere Kyuträger ihr Studium, begannen zu arbeiten und verschwanden von der Bildfläche. So galt es nicht nur, die Trainerlücke zu füllen. Der Zusammenhalt innerhalb der Abteilung wurde auf eine harte Probe gestellt.
Im Mai 1993 übernahm Andreas Raatschen die Abteilungsleitung. Damals noch erster Kyu und "ziemlich grün hinter den Ohren" (Zitat), wurde er von Peter Schmitt unterstützt, der sich aber relativ bald danach aus dem Aikido zurückzog
Beistand leistete kurz darauf Kevin Short, der aus Wales nach Karlsruhe kam. Er setzte als Schüler von Chiba Sensei mit einer eher strengen und martialischen Betonung im Aikido drei Jahre lang bei uns seine Akzente. Für die Entwicklung unseres Aikido war dies eine große Bereicherung.
Seit 1994 hat sich ein sehr freundschaftlicher Kontakt zu Paul Matthis und seiner Gruppe aus Straßburg entwickelt. Einige von uns fahren hin und wieder zu ihm ins Training, und in regelmäßigen Abständen gibt er bei uns Lehrgänge. Beliebt ist auch sein Sommerlehrgang an der Ardeche, an dem nun schon mehr Deutsche als Franzosen teilnehmen. Auch Pauls Aikido ist eine große Bereicherung für uns.
 1996: Lehrgang mit Paul Matthis |
Ein weiterer wichtiger Kontakt hat sich über das letzte Jahr intensiviert: Gerhard Woehrle aus Offenburg kommt als Gasttrainer etwa einmal monatlich. Es ist gut für einen Verein, nicht nur auf sich selbst bezogen zu bleiben und alleine zu trainieren. Der lebendige Austausch mit anderen Lehrern gibt wertvolle Impulse für die Entwicklung des Aikido.
 2001: Dojo Wißmannstraße, Klaus & Susanne |  2002: Dojo Reithalle, Andreas & Martin |
 2002: Andreas & Jan, Vorführung beim ZKM |
In diesen dreieinhalb Jahrzehnten seit unserer Gründung ist es uns gelungen, die Basis immer größer werden zu lassen, auf der wir als Aikido-Abteilung im Budo Club stehen. Heute sind wir mehr als ein Dutzend Danträger (davon drei dritte Dane), es gibt sechs feste und gut besuchte Trainingstermine pro Woche, also jede Menge Gelegenheit für intensives Aikido-Training. Oft bekommen wir dabei für Tage oder Monate Besuch aus aller Welt, der unseren Horizont erweitert: Finnland, USA, Mexiko, Brasilien, Italien oder Ungarn sind nur einige Beispiele.
Die Abteilung selbst hat sich innerhalb der letzten Jahre enorm stabilisiert. Es hat sich wieder ein (ziemlich großer) harter Kern gebildet, auf den Verlass ist. Viele Freundschaften oder gute Bekanntschaften sind entstanden.
Einen maßgeblichen Beitrag zur Stabilität und zum Zusammenhalt unserer Abteilung leistet seit inzwischen zehn Jahren Andreas Raatschen. Unermüdlich organisiert er Lehrgänge, kümmert sich um Prüfungen, Vereinsbelange und hundert andere Dinge. Danke !
Wir hoffen, dass diese Entwicklung so erfolgreich weitergeht!
Andreas Raatschen
Seit 1992 gibt es auch ein Kinder- und Jugendtraining (ab 10 Jahre) bei uns. Nach einer Anlaufzeit waren bis zu 20 Kinder angemeldet, bis es durch Termin- und Trainerwechsel zu einem kleinen Einbruch kam. Nacheinander kümmerten sich u.a. Andreas Mayer, Michael Danner, Jan Schuricht, Peter Pfingstl und Herbert Schaffer um den Nachwuchs. Seit 2005 leitet Robert Kuhnt die Gruppe, die wieder beständig wächst.