Kyudo - japanisches Bogenschießen
 

30 Jahre Kyudo in Karlsruhe

Am 8.März 1977 wurde die Abteilung Kyudo im Budo-Club Karlsruhe e.V. (BCK) als  sechste der bereits bestehenden Abteilungen Judo, Kendo, Aikido, Karate und Jujutsu gegründet. Die Initiative, Kyudo in Karlsruhe zu etablieren ging von Rudi Banghard und Hans Zabojnik-Ihla aus, der die Abteilung dann zwölf Jahre lang leitete und der auch das Amt des Trainers innehatte.

Die ersten Wurzeln von Kyudo in Deutschland waren schon Ende der sechziger Jahre  in Hamburg entstanden. 1977 gab es im ganzen Land ca. 80 Kyudo-Übende und wenige Lehrer, die die ersten Schritte für Neueinsteiger anleiten konnten. Das jährlich stattfindende Sommer-Seminar mit unserem Kyudolehrer, Herrn Professor Inagaki Genshiro Yoshimichi, 9.Dan Hanshi, (gest.1995), war – neben den Lehrgängen zu Ostern und Pfingsten mit deutschen Lehrern – die einzige Gelegenheit zur Fortbildung. Literatur zur praktischen Anleitung für Kyudo mit der Schulrichtung Heki Ryu Insai Ha gab es erst im Jahr 1979, als Feliks F.Hoff sein Fachbuch geschrieben hatte, das noch heute das unverzichtbare Standardwerk ist.

 

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In Karlsruhe war die Hallen – und Trainingssituation für uns Kyudoka zu dieser Zeit noch sehr begrenzt; nur ein wöchentlicher Trainingstermin in der Wissmannstrasse stand zur Verfügung.  Dort wurde hauptsächlich auf Strohbündel geschossen, gelegentlich auch durch den ganzen Raum über 12m Distanz auf Pappkarton und einem Schießnetz als Pfeilauffang.

Für das Schießen über längere Distanzen wurde gelegentlich auch der stillgelegte amerikanische Flugplatz unter abenteuerlichen Bedingungen aufgesucht. Im Winter trainierte die kleine Kyudogruppe auch  gerne im Alten Stadiongebäude der Universität.

Aus den Reihen der allerersten Karlsruher Schüler waren es Michael Brettschneider und Stephan Elsen, die mit der nötigen Ausdauer durch viele Jahre weiterübten und schließlich selbst zu Übungsleitern wurden. Mit Hans Zabojnik-Ihla gab es nun drei Trainer in der Abteilung, die sich in ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten als Lehrer sehr gut ergänzten.

Im Jahr 1990 veränderten sich die Trainingsbedingungen  mit dem Umbau der Alten Dragoner-Reithalle. Unser Wunsch, in dieser Halle auf 28m schießen zu können, fand  Berücksichtung. Es wurde für uns ein Pfeilauffang nach japanischem Vorbild mit Sandaufschüttung gebaut. Noch heute gibt es in Deutschland kein vergleichbares Dojo – und dies alles für die mitgliederschwächste aller Abteilungen des BCK!

Für unser Kyudo-Training konnten neue Zeiten beginnen, das äußere Glück war perfekt!

Die Abteilung wuchs mit dieser Verbesserung und damit auch die Motivation der einzelnen Schützen. Mit drei Trainingsterminen pro Woche hatten wir nun günstige Vorraussetzungen, uns auch auf Wettkämpfe und Prüfungen vorzubereiten.

1995 wurde Stephan Elsen in den Nationalkader berufen und erreichte bei den Europameisterschaften den Titel des Vize-Europameisters, im gleichen Jahr erlangte er den Stilpreis bei den Deutschen Einzelmeisterschaften,  bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften belegte  „Baden I“den ersten Platz.

Es gab auch internationale Turnier-Erfolge, die von der Stadt Karlsruhe großzügige Unterstützung fanden:  Beim Wettkampf mit ca. 2400 Teilnehmern aus aller Welt in Miyakonojo/Japan belegte 1995 Michael Brettschneider den 8. Platz, 1999 Klaus Kasper den 2. Platz und Renate Liefländer 2003 den 5.Platz.

Über die Erfolge im gesamten Zeitraum berichtet Michael Brettschneider im Folgenden:

Die Abteilung zählte im Jahr 1999 ca. 30 Mitglieder, davon ungefähr ein Drittel Danträger. Zu den drei aktiven Übungsleitern kamen nach Abschluß ihrer Ausbildung Ralf Catanescu und Renate Liefländer hinzu.

Hans Zabojnik-Ihla hatte gegen Ende 2000 nach seinem unermüdlichen Engagement das Bedürfnis, sich aus dem Trainingsbetrieb zurückzuziehen.

Inzwischen gab es einige erfahrene Schützen, die auch ambitioniert genug waren, ein Traineramt zu übernehmen. So war es nur ein kleiner Schritt, die Verantwortung für den Unterricht künftig auf mehrere Schultern zu verteilen, was schließlich zur Gründung unserer Trainerkooperative führte: Michael Brettschneider, Ralf Catanescu, Stephan Elsen, Jörg Knütter, Charlotte Mangold und Renate Liefländer. Dieses Trainermodell bewährt sich nun schon seit sieben Jahren; wir stehen in regelmäßigem Austausch über die Trainingsinhalte auf der Basis unserer Schulrichtung Heki Ryu Insai-Ha. Wir lernen miteinander und voneinander. Seit vergangenem Jahr geht’s mit veränderter Mannschaft weiter: Michael Brettschneider, Jörg Knütter, Otmar Hirth, Klaus Kasper, Andreas Nernn und Renate Liefländer.

Durch gute Kontakte zur Universität Karlsruhe kam vor sechs Jahren eine weitere Trainingsgelegenheit dazu: Enteki-Schießen (60m) auf dem Rasenplatz des Sportinstituts. Dort können wir an verschiedenen fest geplanten Samstagen unter freiem Himmel auf die Matoscheibe mit 100 cm Durchmesser schießen. Diese Termine haben mit ihrem familiärem Charakter, mit den Vesperpausen und zahlreichen Zaungästen immer regen Zulauf.  Zur Tradition geworden ist inzwischen auch der jährlich bei uns stattfindende Enteki-Lehrgang mit unterschiedlichen Lehrern und Gästen von nah und fern. Auch die Gruppe der Mailänder Kyudoka kommt seit vielen Jahren gerne zu diesem Anlaß und lädt auch uns – im Gegenzug – zum gemeinsamen Training in ihr Dojo ein. Aus diesem Austausch erwuchs Freundschaft zwischen unseren Gruppen;  manch sprachliche Hürde fiel  im geselligen Beisammensein, mit viel Humor,  bei Essen und Trinken.

Als im Jahr 2001 aus Freiburg nach Trainern für dortige Anfängerkurse angefragt wurde, waren es Stephan und Renate, die sich in regelmäßigen Abständen auf den Weg nach Süden machten. Bald danach konnte dort die Gründung des zweiten badischen Kyudo-Vereins stattfinden.

In unserer Karlsruher Abteilung sind inzwischen viele Kyudoka nachgewachsen, die Freude am Vereinsleben haben und denen auch das engagierte Miteinander wichtig ist.  Dass unsere Kräfte in harmonischer Weise zusammen wirken, wird besonders deutlich, wenn es um das Ausrichten von Lehrgängen oder die Durchführung von Veranstaltungen geht  Hier wiederum kommt uns die perfekte Infrastruktur unseres Reithallengebäudes sehr zugute.

Immer wieder gibt es Anfragen und Wünsche an unsere Abteilung. Mit einem festen Stamm von Engagierten aus unseren Reihen sind wir jederzeit in der Lage, für Vereine, Bildungseinrichtungen oder Firmen Kyudo zu präsentieren oder an einem Einführungsabend praktisch anzuleiten.

Wir sind heute eine Abteilung mit  knapp 70 Mitgliedern. Die Anfängerkurse werden sehr gefragt und bringen immer wieder neue Vereinsbeitritte. Wer in den ersten schwierigen Kyudo-Jahren nicht aufgegeben hat, kann später von der Freude profitieren, die es nach all der anfänglichen Mühe beim Bogenschießen wirklich zu entdecken gibt.

Auch künftig wollen wir alles nutzen, was dem Fortkommen des einzelnen Schützen und auch unserer Gruppe dient. Wir wünschen uns, weiterhin im Lehren und Lernen auf  dem Weg des Bogens in guter Harmonie miteinander verbunden zu sein,   so dass unsere Abteilung auf weitere lange Zukunft unter einem guten Stern stehen kann.

Die 30-Jahr-Feier unseres Bestehens haben wir in einen großen Rahmen gestellt:  Der Deutsche Kyudobund veranstaltet am 23./24.Juni die 3.Internationale Deutsche Enteki-Meisterschaft; unsere Kyudo-Abteilung richtet diese auf dem Sportgelände der Universität Karlsruhe aus. Es werden auch Schützen aus dem europäischen Ausland erwartet und wir freuen uns, an den beiden Tagen gemeinsam zu trainieren, gegeneinander zu kämpfen und miteinander zu feiern!  

Renate Liefländer, Karlsruhe im März 2007    

 

 

Leitung der Abteilung Kyudo:

1977-1989     Hans Zabojnik-Ihla

1989-1991     Roland Pohl/Charlotte Mangold

1993-1995     Michael Brettschneider

1995-1997     Stephan Elsen

1997-2001     Renate Liefländer

2001-2003     Andreas Nernn

2003-2005     Stephan Elsen

2005-2008     Andreas Nernn

2009        Dirk Schaupp

seit 2010        Bärbel Stenftenagel

 

 

Hans Zabojnik-Ihla  26.5.1953 – 15.1.2006   

Wenn wir heute auf 30 Jahre gewachsenes Kyudo in Karlsruhe zurückblicken können, ist dies besonders Hans zu verdanken, ohne dessen Initiative und Durchhaltevermögen es sicher nicht zur Abteilungsgründung 1977 gekommen wäre. Hans war der einsame Vorkämpfer. Die Begegnungen mit seinem Lehrer, Herrn Professor Inagaki haben seine Auffassung von Kyudo geprägt. Der Heki-Ryu Insai Ha, ihrer Inhalte und ihrer Lehre, blieb er durch alle Zeit mit großer  Leidenschaft  verbunden.

Hans war und blieb das Urgestein unserer Abteilung – auch wenn es Zeiten gab, in denen er sich nur als Beobachter am Rand bewegte. Er wechselte zwischen Rückzug und Präsenz, er liebte die Freiheit und wählte stets das für ihn Passende aus. So ging er – für immer - von uns, nach einem Training in ungewohnt ausgelassener Stimmung, heiter und gelöst.

Nicht nur bei uns in Karlsruhe wird Hans unvergessen bleiben. Wir sind besonders dankbar für all die guten und inspirierenden Stunden, die wir miteinander hatten. Viele von uns wussten seinen klugen Rat zu schätzten, wenn es um besondere Fragen der Gesundheit ging.

Hans mit seiner starken Persönlichkeit  - er bleibt lebendig in unseren Herzen.

 

Roswitha Mohrhardt    7.2. 1954 – 8.10 2005

Roswitha gehörte zu den ersten Frauen unserer Abteilung. Als Liebhaberin der japanischen Kultur beschäftigte sie sich mit Seidenmalerei, Ikebana und Teezeremonie. Doch dem Weg des Bogens galt ihre ganze Liebe. Sie beschritt ihn seit 1989 mit großer Hingabe und Tapferkeit bis an ihr frühes Lebensende.

Wir verdanken ihr Vieles. Vorbildlich war ihre Ernsthaftigkeit beim Studium der Heki-Technik, ihre Ausdauer und nie nachlassende Freude beim Bemühen um eine exakte Form.  

Ihre Hilfsbereitschaft und ihr Humor machten Roswitha zu einer sehr beliebten Person in unserer Gruppe. Zu besonderen Anlässen überließen wir ihr gerne die Gestaltung unsere  Kamiza, sie hatte auch hier eine sehr glückliche Hand.

Viel gefragt war sie auch als Heilpraktikerin; ihr Wissen und ihre Erfahrung kam manchem von uns zugute. Das vielschichtige Interesse am Menschen, das bei ihr so vielfältige Ausprägungen zeigte – auch ihre Begabung zu unterrichten - wurde sichtbar bei unseren Einführungskursen für die Universität, bei denen sie sich sehr engagierte.

Gerne hätten wir sie in unsere Trainerkooperative geholt, - Roswitha, die starke Frau, die ihren Weg ging, die gelassen und ruhig blieb obwohl sie genau wusste, wie es um sie stand – sie wird uns unvergessen bleiben.

                             

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 -- Intern.ReinhardHendler - 02 May 2007 <