Harald LinderJudo, Aktuelles

Ein Erfolgsmodell in Sachen Integration

Budo-Club kooperiert mit Gutenbergschule / Judotraining aktuell ohne Körperkontakt

Larisa kommt aus Rumänien. Sie ist 12 Jahre alt und Schülerin in der Gutenbergschule. Mit ihrer Klassenlehrerin Jessica Fürgut und weiteren Mitschülerinnen und Mitschülern wartet sie vor dem Eingang des Budo-Clubs Karlsruhe (BCK) in der Blücherstraße, bis sich dort die Tür öffnet und das Judotraining beginnt. Es ist ein besonderes Training, denn es gehört zu einem Projekt, das der BCK seit dem Schuljahr 2016/17 mit den Vorbereitungsklassen B und C der Gutenbergschule Karlsruhe im Rahmen des Programms „Integration durch Sport“ durchführt. Zu den Zielsetzungen dieses Projektes gehören beispielswiese Deutsch als Alltagssprache, die Vermittlung von sozialen Werten, aber auch die Steigerung des Selbstbewusstseins und des Selbstwertgefühls der Schüler sowie das Wecken des persönlichen Ehrgeizes. Gewaltprävention, Team- und Persönlichkeitsentwicklung oder das Erlernen von Disziplin sind ebenfalls Bestandteil des Programms.

In diesem Schuljahr besteht die Gruppe aus rund 40 Schülerinnen und Schüler. Sie kommen aus neun verschiedenen Nationen von Rumänien über Kroatien und Russland bis hin zum Iran – mit ebenso so vielen verschiedenen Sprachen. Die beiden Klassen kommen gemeinsam jeden Montag und Freitag jeweils für zwei Schulstunden in die Judohalle des Budo-Clubs, wo sie von vier lizenzierten Trainerinnen und Trainern des Vereins betreut werden und mit großer Begeisterung dabei sind. „Judo ist gut, weil Sport gut ist. Habe viele Freunde im Judo“, sagt Larisa und ihr kroatischer Mitschüler Martino pflichtet ihr bei: „Judo ist gut, weil der Trainer gut ist. Ich habe Freunde im Judo. Das Training ist gut.“

Diese Trainer sind die beiden Kaderathletinnen des BCK Jadzia Münch und Jule Horn sowie Landesstrainer Janos Bölcskei und Judoka Daniel Reimer. Auch denen macht das Training mit den Jungs und Mädels Spaß, „denn man sieht, mit wieviel Eifer und Freude sie dabei sind“, sagt Jule Horn, die allerdings auch Wert darauf legt, dass die angesagten Übungen ordentlich absolviert werden. Im Augenblick sind diese allerdings nicht unbedingt judospezifisch, sondern eher gymnastischer Art, denn aufgrund der Corona-Beschränkungen ist Körperkontakt nicht erlaubt. Klassenlehrerin Jessica Fürgut ist dennoch froh darüber, „dass wir überhaupt diese Möglichkeit nutzen dürfen, denn in unserem Stundenplan haben wir keinen Sportunterricht. Die vier Stunden im Budo-Club sind unser Sportunterricht“.

Überhaupt ist Fürgut des Lobes voll. „Das Projekt ist neben dem Unterricht in der Vorbereitungsklasse für viele Schülerinnen und Schüler in den letzten Jahren eine große Unterstützung einer gelingenden Integration in Deutschland geworden. In Zusammenarbeit mit uns Lehrkräften unterstützt der Budo-Club auch über das Training hinaus die Kinder und Familien. Talente werden entdeckt und gefördert. Durch die enge Zusammenarbeit des Vereins und der Schule werden unsere Schülerinnen und Schüler zu einem festen Bestandteil des Budo-Clubs. Die Trainer gelten als Vorbilder und Ratgeber. Auch im alltäglichen Schulleben sind die Früchte des Projekts zu erkennen. Neben der regelmäßigen Bewegung im Unterrichtsalltag wird auch der Teamgedanke der Klasse gesteigert, was sich positiv auf das Klassenklima auswirkt. „Die Kinder der verschiedensten Nationen verabreden sich auch nach der Schule für das Judotraining. Freundschaften werden im Training geknüpft und eine Sprache wird immer gesprochen, nämlich Deutsch“, so Fürgut. Für sie, wie auch für die Veratwortlichen beim BCK hat sich das Projekt als echtes Erfolgsmodell erwiesen „und es macht Mut, es weiterzuführen“, wie Nicole Saam, die Präsidentin des BCK sagt.

Fotos: Jörg Donecker
Text: Harald Linder (BNN)