Kerstin WagnerJudo, Abteilungen, Aktuelles

Sumaya Jebli holt EM-Titel

Sumaya Jebli ist 14 Jahre alt, lebt bei ihren Eltern in der Waldstadt und geht in die neunte Klasse im Otto-Hahn-Gymnasium. Und sie ist vor allem eins: eine leidenschaftliche Kampfsportlerin. Und erfolgreich obendrein. Jebli darf sich seit Kurzem U16-Europameisterin im „Hand-to-Hand-Fighting“ nennen. Eine Kampfsportart, die Elemente aus verschiedenen Disziplinen, darunter Boxen (Schläge), Kickboxen (Tritte), Judo/Ringen (Würfe) und Jiu-Jitsu (Bodenkampf, Würgegriffe), in sich vereint. Dabei trägt man einen Kopfschutz, was für die junge Sportlerin deshalb von Bedeutung ist, weil sie darunter ein Sportkopftuch tragen darf. Als gläubige Muslima hat sich Jebli aus religiösen Gründen dafür entschieden, Kopftuch zu tragen. Beim Judo ist das allerdings nicht erlaubt, was sie sehr traurig stimmt, denn so kann sie die Sportart, mit der sie schon als Fünfjährige begonnen hat, wettkampfmäßig nicht betreiben.
„Ich finde das nicht in Ordnung, wobei es für mich auch andere Kampfsportarten gibt, die mir ebenfalls Freude machen, aber das mag für andere Sportlerinnen nicht der Fall sein, was ich sehr schade finde“, meint die junge Frau, die neben Judo vor allem Taekwondo macht, wo beim VT Hagsfeld Marvin Kubick ihr Trainer war. Daneben hat sie sich auch schon im Kickboxen versucht und ist auch sehr von Sambo begeistert. Denn „Kampfsport ist für mich in Sachen Sport die Nummer eins“. Kein Wunder, kommt sie doch aus einer Judo-Familie, in der sowohl die Eltern als auch die Geschwister auf der Matte stehen. Diesen wollte die kleine Sumaya nacheifern, was ihr eindrucksvoll gelungen ist, auch wenn sie ihren ersten großen Erfolg nicht auf der Judomatte erzielen konnte. Dieser gelang ihr im Februar bei den Junioren-Europameisterschaften im „Hand-to-Hand-Fighting“, die in Würzburg vom Deutschen Hand-to-Hand-Fight-Verband ausgetragen wurden.
Fabian Schley, Geschäftsführer beim Budo-Club Karlsruhe, wo Jebli bei Janos Bölcskei im Judotraining ist, hat dem kampfsportlichen Multitalent vorgeschlagen, bei diesen Europameisterschaften zu kämpfen. Auch weil sie dort ihr Kopftuch tragen konnte. Sumaya Jebli sagte zu. Und die neue Kampfsportart gefiel ihr. Dabei kamen ihr auch die Erfahrungen zugute, die sie schon im Taekwondo, im Kickboxen und im Sambo gemacht hatte, und am Ende stand sie als U16-Europameisterin mit Medaille und Urkunde dekoriert auf dem obersten Podest in der Halle des Phönix Fightclubs in Würzburg – und zwar sichtlich stolz.
„Dieses Hand-to-Hand-Fighting ist unglaublich. Da kann ich kicken und kann werfen. Da ist alles drin, was ich mir so vorgestellt habe“, fiebert sie schon ihrem nächsten Auftritt entgegen. Dies wird beim World Cup in Waldshut-Tiengen der Fall sein, der vom 24. bis 27. April in der Sporthalle Tiengen vom Internationalen Verband ausgetragen wird. Jebli will in ihrer Altersklasse nach Möglichkeit wieder auf dem Treppchen stehen. Doch die junge Athletin hat noch weitere sportliche Ziele. Sie träumt von den Olympischen Spielen, weiß aber auch, dass sie sich dafür irgendwann auf eine Sportart konzentrieren muss. Wenn sie sich entscheiden müsste, wäre dies wohl Taekwondo, sagt Jebli, deren großer Wunsch es wäre, wenn man zukünftig auch im Judo beim Wettkampf mit einem Sportkopftuch antreten dürfte.
Text: Harald Linder / BNN