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Judotalent Bölcskei erfüllt sich einen Traum

Karlsruherin startet beim 18. Youth Olympic Festival in Skopje / Rund 4.000 Teilnehmer aus 49 Ländern

Von Harald Linder

Karlsruhe. Der Vergleich liegt nahe: An diesem Samstag beginnt in Skopje (Nordmazedonien) das 18. Youth Olympic Festival (EYOF). Das größte und wichtigste Multisport-Event für Europas beste Nachwuchsathletinnen- und -Athleten – quasi Mini-Olympia für Europas junge Sporttalente. Rund 4.000 aufstrebende internationale Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Alter zwischen 14 und 18 Jahren aus 49 europäischen Ländern kämpfen in 15 verschiedenen Sportarten (Leichtathletik, Badminton, 3×3-Basketball, Basketball, Kanu Slalom, Rad–Straße, Mountainbike, Handball, Judo, Schwimmen, Sportschießen, Tischtennis, Taekwondo, Volleyball, Kunsturnen) um Medaillen.

„Ich habe mich sehr über diese Nominierung gefreut“. Hanna Bölcskei Judoka BC Karlsruhe

Für das Team Deutschland werden knapp 150 Athleten an den Start gehen. Darunter ist als einzige Karlsruher Sportlerin Hanna Bölcskei vom Budo-Club Karlsruhe (BCK). Die 16-Jährige gilt als eines der großen Talente aus der Kaderschmiede des Budo-Clubs und hat sich mit der Teilnahme an der „Jugend-Olympiade“ einen großen Traum erfüllt. „Ich habe mich sehr über diese Nominierung gefreut und bin auch stolz auf mich, dass ich das erreicht habe“, sagt sie. Ausschlaggebend für die Nominierung war nicht nur der dritte Platz bei den deutschen U18-Meisterschaften in Leipzig. Auch die Silbermedaille beim U18-European-Cup im polnischen Bielsko, wo sie sich erst im Finale geschlagen geben musste, war ein starkes Signal ihrer Leistungsfähigkeit, die sie jetzt nach Skopje brachte.

Ein erster Schritt, um ihrem ganz großen Ziel näherzukommen. Für die Schülerin, die im Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) in die elfte Klasse geht und dort fleißig Punkte fürs Abi sammelt, ist dies einmal die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Wie ihr großes sportliches Vorbild Anna-Maria Wagner. An der Bronzemedaillengewinnerin der Olympischen Spiele von Tokio bewundert sie deren dominantes Auftreten. „Und ihren schönen Kampfstil“. Auch Bölcskeis Herangehensweise ist eher offensiv.

„Wir beide wissen mittlerweile, das gut zu trennen“.János Bölcskei zur Doppelrolle als Vater und Trainer

Ihre Trainer attestieren ihr ein sehr gutes Gleichgewichtsgefühl, einen guten Griffstil und das Gespür, das Gleichgewicht der Gegnerin zu brechen und für ihre Würfe zu nutzen. Ihre stärkste Waffe ist der O-Uchi-gari (große Innensichel), wie János Bölcskei sagt. Der ist nicht nur Hannas Papa, sondern seit der U18 auch ihr Landestrainer. Bis zur U15 wurde sie von Philippe Tosseng betreut, der sie zu einer der besten deutschen Judoka im Jugendbereich formte. Den Spagat als Papa und Trainer hinzubekommen, sei nicht immer ganz einfach, bekennt János Bölcskei, „aber wir beide wissen mittlerweile, das gut zu trennen, zumal sich Hanna immer mehr zu einer eigenständigen Sportlerin entwickelt.“

Diese ordnet ihrem Sport vieles unter. Fünf Trainingstage und an zwei Tagen auch Frühtraining in der Schule, wo sie Sport und Englisch als Lieblingsfächer nennt. Bei all den Einheiten, Lehrgängen und Wettkämpfen bleibt nicht allzu viel Freizeit für Bölcskei. Die 16-Jährige ist sehr froh darüber, dass es ihr die Schule ermöglicht, die Oberstufe von zwei auf drei Jahre zu strecken, was zumindest den Schulalltag entspannt. Früher hat sie auch Leichtathletik betrieben, gab dies aber zugunsten des Judosports auf. Wenn sie dann doch mal frei hat, ist sie gerne mit Freunden unterwegs. Auch mal im Kino, wo sie Actionfilme mag. Und die Ferien verbringt die überzeugte Vegetarierin, die Chili sin Carne als Lieblingsspeise nennt, am liebsten am Meer, wie zuletzt in Ägypten.

Doch jetzt steht Skopje auf dem Programm der jungen Frau, die in Nordmazedonien die Farben Karlsruhes vertritt. Dort startet sie in der 70-Kilo-Klasse und will in erster Linie „viele Erfahrungen sammeln“