Anke KaiserAktuelles, Sambo

Mattisseck historisch

Luise Mattisseck konnte auch Tage später immer noch nicht so richtig fassen, was ihr da im griechischen Thessaloniki gelungen war: Weltmeisterin im Sambo. Bei den Juniorinnen in der Klasse bis 65 Kilogramm. Die erste deutsche Goldmedaille überhaupt in einer Kampfsportart, die seit Jahrzehnten von Athletinnen und Athleten aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion, Osteuropa und Asien dominiert wird, wo Sambo Volkssport ist. Ein Erfolg, der weit über ihre eigene Alters-und Gewichtsklasse hinausreicht, denn noch nie zuvor hatte eine deutsche Athletin oder ein deutscher Athlet einen Weltmeistertitel gewinnen können.

„Dort auf dem Podium zu stehen und die deutsche Nationalhymne zu hören, war einfach überwältigend“, schilderte die 19-Jährige vom Budo-Club Karlsruhe (BCK) ihre Gefühle nach dem bislang größten Erfolg ihrer noch jungen Karriere. Und das auch noch passend am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit. Zwar hatte Mattisseck (Foto: Fabian Schley) schon im Jugendbereich Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften gewonnen, aber für ganz oben hatte es nie gereicht. In Thessaloniki hat es gereicht. An einem perfekten Tag für die junge Deutsche, die sich in absoluter Topform präsentierte. Im Achtelfinale schaltete sie die Kirgisin Jibek Omurzakova ebenso vorzeitig aus wie im Viertelfinale die Georgierin Mariam Tchitchveishvili. Nur gegen die körperlich starke Belarussin Krystina Yausiuk musste sie im Halbfinale über die volle Kampfzeit gehen, entschied aber auch dieses Duell aufgrund der besseren Wertungspunkte für sich und stand im Finale.

In diesem ließ sie der Kroatin Nika Markulin nicht den Hauch einer Chance und krönte sich nach knapp zweieinhalb Minuten Kampfzeit zur Weltmeisterin, was ihren Trainer Fabian Schley vom BCK, der gleichzeitig Bundestrainer ist, fast ausflippen ließ. Der konnte sich schon zuvor über eine Medaille für eine Kämpferin des Budo-Clubs freuen: Isabelle Schülein holte sich, ebenfalls bei den Juniorinnen, in der Klasse bis 59 Kilogramm nach einem hart erkämpften Sieg über Martina Sitchiniva aus Georgien die Bronzemedaille und stand zum ersten Mal auf einem internationalen Podium.

 

BNN vom 10.Oktober, Artikel von Harald Linder